Phys Med Rehab Kuror 2000  Thema: Wissenschaftliche Beiträge
  

Bedeutung der Diagnostik kraniomandibulärer Dysfunktionen
bei Musikern

Seidel EJ1, Smolenski U2, Günther P1, Conradi S1, Dietze G3 

1Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar, Zentrum für Physikalische und Rehabilitative Medizin, 2Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Physiotherapie, 3Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar, Lehrbereich Musikermedizin/Musikphysiologie

Fragestellung: Unter kraniomandibulärer Dysfunktion (CMD) werden schmerzhafte als auch schmerzlose Funktionsstörungen im Bereich des Kiefergelenkes und der benachbarten Strukturen zusammengefasst. In einer Studie sollte geklärt werden, ob diese bei Musikern häufig auftretenden CMD auch ohne subjektive Beschwerden therapiert werden müssen. Die untersuchte Stichprobe bestand aus Bläsern und hohen Streichern (n=20) mit CMD und subjektiven Beschwerden (definierte Einschlusskriterien) sowie einer Vergleichsgruppe von Bläsern und hohen Streichern (n=10) mit CMD ohne subjektive Beschwerden.

Methodik: Neben der standardisierten Anamneseerhebung erfolgt eine manualmedizinische Untersuchung der gesamten Wirbelsäule sowie des kraniomandibulären Systems, die Erfassung des Muskelstatus, 3D-Bewegungsanalyse der HWS und einem standardisierten Fragebogen (outvome nach KELKIMO, VAS, MAESE).

Ergebnisse: Die untersuchten 30 Musiker wiesen alle klinischen Zeichen einer CMD auf, wobei die qualitativen als auch quantitativen Abweichungen keine Korrelation zu den subjektiven Beschwerden ermöglichten. Es ist keine Aussage möglich, welche aus Veränderungen der Funktion des kraniomandibulären Systems auf Krankheitssymptome folgern lässt. Es führt nicht zwangsläufig jede Fehlfunktion zu klinisch relevanten Beschwerden. Somit stellt sich die Frage, ob die Häufigkeit der CMD bei Bläsern und hohen Streichern eine leistungsbezogene Voraussetzung darstellt bzw. deren Beseitigung Einschnitte im Technikbereich nach sich ziehen würde?

 

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