Zur Inzidenz des Hypermobilitätssyndroms bei Musikern im Vergleich zu einer Normgruppe

Seidel, E. J.; Lange, E.; Dietze, C.

Aufgrund langjähriger Untersuchungen über das Auftreten von Beschwerden am Stütz- und Bewegungssystem bei Musikern (84 %) führten wir eine Studie zur Inzidenz des Hypermobilitätssyndroms bei Musikern (n = 30) durch. Hierbei wurden die Untersuchungen: Methodik der abgestuften Hypermobilität nach LEVITT, der Spine-Mobility-Test, sportmotorische Tests mit Ermittlung der Kraft-Ausdauer, Koordinationsfähigkeit durchgeführt. Ergebnisse: Im Bereich der Extremitätengelenke bestehen signifikante Unterschiede der Musiker zur Vergleichsgruppe. Die Hypermobilität der Musiker liegt um 1 Score-Wert der Hypermobilitätsskala über der Vergleichsgruppe (3,0 : 2,0). Dabei gibt es keine instrumenten-spezifischen Unterschiede. Die Unterschiede im Bereich der Wirbelsäule und der unteren Extremität sind geringer und nur im Bereich der HWS signifikant 2,5 : 1,7. Auffallend sind in den Untersuchungsergebnissen, daß die größere Mobilität der Extremitätengelenke und der HWS nicht kompensatorisch muskulär geführt wird. Hier bestehen signifikante muskuläre Defizite der Musiker zur Vergleichsgruppe. Schlußfolgerung: Es lassen sich erste Anhaltspunkte erkennen, warum die Gruppe der Musikser einen Beschwerdeindex von über 80 % im Bereich des Stütz- und Bewegungssystems aufweist und Ansätze ableiten, diese präventiv und sekundär präventiv zu beeinflussen.

Prof. Dr. med. E. J. Seidel
Lehrbereich Musikermedizin / Musikphysiologie Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar Henry-van-de-Velde-Straße 2, 99425 Weimar