Biomechanische Untersuchungen der Wirbelsäule an Musikstudenten während mehrstündigem Klavierspiel

Friedrichs, A.; Seidel, E. J.; Junghanns, A.; Blickhan, R.

Fragestellung: Zur Verbesserung der Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Musikern ist es notwendig, Musikstücke über einen großen Zeitraum mit hoher Intensität zu proben. Durch eine Probendauer von ca. 3 - 4 Stunden am Tag kommt es dabei zu monotonen Belastungen der Wirbelsäule.

Methodik: Mittels Ultraschall-Hautverschiebungs-Messung (Orthoson) sollen Haltungsveränderungen quantifiziert werden. In festgelegten Bereichen (HWS, BWS, LWS) werden Sensorabstände kontinuierlich (Meßfrequenz 1 Hz) bestimmt. die Anordnung der Sensoren erfolgte symmetrisch auf der linken und rechten Seite der Wirbelsäule in einer Distanz von 2,5 cm zum Dornfortsatz des jeweiligen Wirbelkörper. Dieser Aufbau erlaubt Aussagen über Lateralflexion als auch über Flexion/ Extension im gesamten Wirbelsäulenbereich. Die Messungen erfolgten täglich über eine Zeitdauer von 4 Stunden und einem Zeitraum von 10 Tagen mit abschließendem Konzert.

Ergebnisse: An allen gemessenen Tagen zeigten sich typische Haltungs-muster während mehrstündigem Klavierspiel. Deutlich zu erkennen war eine Abstandverkürzung im Bereich der Brustwirbelsäule. Weiterhin zeigte sich eine verstärkte Lateralisierung im gesamten Wirbelsäulenbereich.

Diskussion: Die beobachtete Höhenminderung kann sowohl auf eine Vergrößerung der Brustkyphose, als auch auf eine Abnahme der Band-scheibenelastizität im Bruswirbelsäulenbereich hindeuten.
Mit diesen Aussagen können differenzialtherapeutische Anwendungen gesteuert werden.

Prof. Dr. med. E. J. Seidel
Chefarzt Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar,
Zentrum für Physikalische u. Rehabilitative Medizin
Henry-van-de-Velde-Straße 2, 99425 Weimar