Schreiber,T.U.*; U. C. Smolenski*; E. J. Seidel**

* Institut für Physiotherapie, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
** Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar, Zentrum für Physikalische und Rehabilitative Medizin

3-dimensionale Bewegungsanalyse zur Funktionsbeurteilung der Halswirbelsäule - Meßverfahren und Reliabilität

Zusammenfassung

Gegenstand: Zervikale Schmerzsyndrome haben mit einer hohen jährlichen Prävalenz einen großen Anteil an Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems. Objektivierbare und nicht-invasive Untersuchungsverfahren könnten zur Bewertung von Bewegungsfunktionsstörungen der Halswirbelsäule beitragen. Untersucht werden sollte die Zuverlässigkeit (Reliabilität) einer inzwischen im klinischen Spektrum verbreiteten, kommerziellen, ultraschallgestützten 3-dimensionalen Bewegungsanalyse der Halswirbelsäule.

Methodik: Als Meßverfahren wurde das 3-D Bewegungsanalysesystem zebris CMS 70P, das auf der Laufzeitbestimmung von Ultraschallimpulsen beruht, mit der Meßanordnung von zwei Dreifachmarkern genutzt. Als Ergebnis eines Meßzyklus aus drei Meßabläufen in fünf Bewegungsebenen ergeben sich insgesamt 30 Winkel. Die Untersuchungen erfolgen an zwei Gruppen: zum einen einer konsekutiven Stickprobe von 126 Patienten (89 Frauen, Alter 18 - 84 Jahre) mit schmerzhaften Bewegungsfunktionsstörungen der Halswirbelsäule, zum zweiten an einer Gruppe schmerzfreier Probanden (25 Frauen, Alter 18 - 30 Jahre). Geprüft wurde die Intra-Rater Retest-Reliabilität an der Patientengruppen sowie die Inter-Rater Retest-Reliabilität an der Probandengruppe. Die Bewertung der Zuverlässigkeit erfolgte durch Bestimmung des Intraclass-Korrelations-Koeffizienten (ICC).

Ergebnisse: Für die Intra-Rater Retest-Reliabilität wurden ICCs zwischen 0,78 und 0,93 für die Hauptbewegungen und zwischen 0,22 und 0,87 in den Begleitbewegungen festgestellt, die ICCs des jeweiligen Gesamtbewegungsausmaßes (ROM) war vergleichbar. Die Inter-Rater Retest-Reliabilität lag mit ICCs zwischen 0,69 und 0,88 geringfügig niedriger als die der Intra-Rater Retest-Reliabilität, für Begleitbewegungen und ROM fanden sich analoge Werte.

Schlußfolgerung: Die Zuverflässigkeit der 3-D-Bewegungsanalyse kann sowohl bei Prüfung durch einen als auch zwei Untersucher im Retest als gut bis exzellent eingeschätzt werden. Weniger zuverlässig zeigte sich ein Teil der Begleitbewegungen, insbesondere sagittale Bewegungen bei Rotation und Seitneige sind demzufolge im klinischen Kontext zurückhaltend zu interpretieren. Im Vergleich zu anderen goniometrischen Verfahren erweist sich das untersuchte Meßverfahren als gleichrangig.